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Rechnungslegung & Finanzen
11. Mai 2026
Benedikt Imbusch / Julius Averdiek

Iran-Krieg als globaler Störfaktor: Folgen für den deutschen Mittelstand

Mit dem Ausbruch des Iran‑Kriegs Ende Februar 2026 hat sich die geopolitische Unsicherheit weltweit spürbar verschärft. Für eine stark exportorientierte Volkswirtschaft wie Deutschland ergeben sich daraus neue Risiken, die Unternehmen kurzfristig nicht nur marginal, sondern strukturell unter Druck setzen – insbesondere auch den Mittelstand. Obwohl nur begrenzte direkte wirtschaftliche Verflechtungen mit der Krisenregion bestehen, wirken sich steigende Energie‑ und Transportkosten, längere Lieferzeiten sowie eine generell eingetrübte konjunkturelle Perspektive unmittelbar auf Kosten- und Liquiditätsstrukturen, Planungssicherheit und Investitionsentscheidungen aus.

Energiepreise erzeugen Margen- und Preisdruck

Der industrielle Energieverbrauch in Deutschland ist stark von fossilen Energieträgern geprägt – ca. 40% entfallen nach wie vor auf Öl und Gas. Trotz dieser strukturellen Abhängigkeit sind kurzfristig keine Versorgungsengpässe zu erwarten: Im Jahr 2025 stammten lediglich 6,1% der deutschen Rohölimporte aus dem Nahen Osten, während Flüssigerdgas (LNG) in diesem Zeitraum gar nicht unmittelbar aus dieser Region bezogen wurde. Trotz dieser geringen direkten Abhängigkeit führt der Krieg im Iran zu steigenden Öl- und Gaspreisen auf dem Weltmarkt und damit auch in Deutschland. So lag der Dieselpreis vor Beginn des Krieges noch bei etwa 1,75 € pro Liter und stieg innerhalb von rund sechs Wochen teilweise auf über 2,40 € an. Besonders der deutsche Mittelstand, der häufig auf eigene Fuhrparks und eine enge Lieferkette angewiesen ist, spürt die steigenden Energiepreise deutlich.

Zwischenfazit

Für viele kleine und mittelgroße Unternehmen bedeuten die höheren Kosten nicht nur eine unmittelbare Belastung der Betriebsausgaben, sondern auch steigenden Druck auf die Preise für ihre Produkte und Dienstleistungen. Eine Konsequenz hieraus ist ein Rückgang der operativen Marge bzw. die unmittelbare Notwendigkeit zur Preisanpassung – die allerdings mit Wettbewerbsrisiken verbunden ist.

Liquiditätsbelastungen aufgrund erhöhter Transportkosten und längerer Lieferzeiten

Neben den gestiegenen Öl- und Gaspreisen hat der Krieg im Iran auch einen wesentlichen Einfluss auf die deutschen Importe, denn rund 10% davon laufen jährlich über den Seeweg durch das Rote Meer. Bereits nach kurzer Zeit hat die Logistikbranche ihre Routen zum Teil angepasst und nutzt nun längere Seewege. Auch die Luftfrachtstrukturen sind unmittelbar betroffen: Die teilweise geschlossenen Lufträume in der Region schränken wichtige Handelsrouten zwischen Asien, dem Nahen Osten und Europa ein. Längere Lieferzeiten im Import und Export sind die Folge, da sowohl See- als auch Lufttransporte aufgrund von Umwegen mehr Zeit in Anspruch nehmen. Zusätzlich erhöhen sich die Transportkosten durch den höheren Treibstoffbedarf bei längeren Routen und die steigenden Energiepreise sowie durch zusätzliche Versicherungen aufgrund der unsicheren Lage. Eine Folge ist u.a. eine erhöhte Liquiditätsbelastung, insbesondere für Unternehmen ohne große Lager‑ oder Finanzierungspuffer.

Ausblick

Mittelfristig sind aber nicht nur gestiegene Transportzeiten und -kosten im Logistikbereich zu erwarten. Durch die hohe Abhängigkeit Asiens, vor allem Chinas, von der Straße von Hormus, die den Persischen Golf mit dem Golf von Oman verbindet, könnten bald auch Preissteigerungen bei importierten Vorprodukten oder gar Engpässe bei Hightech- und Industriegütern die Folge sein – mit dadurch verbundenen (indirekten) Auswirkungen auch auf die deutschen mittelständischen Unternehmen, die keine direkten Lieferbeziehungen in die betroffene Region unterhalten.

Auswirkungen verschlechterter konjunktureller Perspektiven

Die vorläufig veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamts bekräftigen die bereits aufgeführten Folgen des Iran-Kriegs. Für den März 2026 wird eine im Vergleich zum Vorjahresmonat erhöhte Inflationsrate von +2,7% erwartet, was gleichzeitig einem Anstieg von 1,1% im Vergleich zu Februar 2026 entspricht. Die Preise für Energie erhöhten sich gegenüber dem Vorjahresmonat sogar um 7,2%. Neben den steigenden Produktionskosten dürfte somit auch die geringere Kaufkraft der privaten Haushalte einen Einfluss auf den deutschen Mittelstand haben. Wirtschaftsforschungsinstitute bestätigen diese Annahme durch ihre Prognose des Wirtschaftswachstums für das aktuelle und folgende Jahr. Während vor wenigen Monaten noch mit einem Wachstum von 1,3% für das Jahr 2026 gerechnet wurde, wurde die Prognose zuletzt auf 0,6% reduziert. Auch für 2027 senkte das ifo-Institut ihre Prognose um 0,5 Prozentpunkte auf 0,9%.

Finanz- und Planungsrisiken: Während Großkonzerne i.d.R. finanziell abgesicherter sind, geraten vor allem kleine und mittelständische Unternehmen durch diese Entwicklung zunehmend unter Druck. Sie müssen nicht nur höhere Kosten tragen, sondern auch flexibler auf schwankende Nachfragen reagieren, was ihre Planungssicherheit deutlich einschränkt und Investitionsentscheidungen erschwert.

Fazit und Handlungsempfehlungen

Der Iran‑Krieg belastet den deutschen Mittelstand vor allem durch steigende Energie‑ und Transportkosten sowie instabile Lieferketten und erhöht damit unmittelbar den Kosten‑ und Margendruck. Gleichzeitig führen Inflation und gesunkene Wachstumserwartungen zu Nachfragerisiken und geringerer Planungssicherheit.  

Unternehmen sollten Kosten‑ und Margenstrukturen regelmäßig überprüfen, die Liquidität aktiv steuern und Lieferketten auf Abhängigkeiten analysieren. Zudem sind Investitionen stärker abzusichern und Planungsprozesse zu flexibilisieren. Eine professionelle Beratung kann dabei wichtige Unterstützung leisten, indem Transparenz geschaffen sowie Risiken bewertet werden und so die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit gesichert wird.