springe zum Hauptinhalt

Blogbeitrag
15.08.2025

von
Mahmood Mohebbi

Die Klimakrise verschärft sich, extreme Wetterereignisse häufen sich – und damit wächst auch der Druck auf Unternehmen, ihre Nachhaltigkeitsbestrebungen zu intensivieren. Laut dem letzten Bericht des Weltklimarats (IPCC) sind menschliche Aktivitäten Ursache für die massiven Klimaänderungen, insbesondere für die globale Erderwärmung. Daher ist es das vorrangige Ziel, die Erderwärmung deutlich zu begrenzen. Treiber der Erderwärmung ist insbesondere der Ausstoß von Treibhausgasen. Deshalb fordern Politik, Verbraucher:innen und Investor:innen mehr Transparenz v.a. in Bezug auf den Emissionsausstoß von Unternehmen (CO₂-Fußabdruck). Vor diesem Hintergrund gewinnt die CO₂-Bilanzierung von Unternehmen zur Abbildung der durch das Unternehmen unmittelbar oder mittelbar verursachten Treibhausgasemissionen an Bedeutung – nicht nur als „Pflicht“, sondern vor allem als Einstieg in ein CO₂-bewusstes Wirtschaften.

Was ist eine CO₂-Bilanz und wozu dient sie?

Eine CO₂-Bilanz (auch Treibhausgas- oder Klimabilanz genannt) ist ein systematischer Bericht über alle Treibhausgas-Emissionen eines Unternehmens. Alle relevanten Treibhausgase (Kohlenstoffdioxid (CO₂), Methan (CH₄), Lachgas (N₂O) etc.) werden dazu in CO₂‑Äquivalente umgerechnet, damit die Werte vergleichbar sind und ein einheitlicher Emissionswert ermittelt werden kann. Aus der Bilanz wird deutlich, in welchen Bereichen des Unternehmens wie viel CO₂ entsteht – etwa durch verbrauchte Energie, Treibstoff oder im Rahmen von Produktionsprozessen.

Für Unternehmen ist die CO₂-Bilanz die Grundlage jeder Klimastrategie: Sie schafft Transparenz über die Emissionsquellen und zeigt die „CO₂-Hotspots“ im Unternehmen. Auf dieser Basis lassen sich durch das Unternehmen gezielt Maßnahmen ableiten und planen: Wer seinen Klimafußabdruck kennt, kann Emissionstreiber (und oft auch Kostenfresser) aufspüren und daraus Klimaziele ableiten und formulieren. Kurz gesagt: Die Bilanz ist das Klimabarometer des Unternehmens – es zeigt den Status Quo und mögliche Ansatzpunkte für konkrete Maßnahmen zur Einsparung von Treibhausgasen. 

Welche Emissionsquellen umfasst sie? (Scope 1, 2 und 3 einfach erklärt)

Die CO₂-Bilanz ordnet alle Emissionen den drei Geltungsbereichen Scope 1, 2 und 3 (gemäß GHG Protocol) zu:

  • Scope 1 (direkte Emissionen): Alle Emissionen, die direkt im eigenen Betrieb anfallen und vom Unternehmen kontrolliert werden. Dazu gehören zum Beispiel Abgase aus Heizkesseln und Brennern, aus Produktionsprozessen oder von firmeneigenen Fahrzeugen. Wenn das Unternehmen einen eigenen Fuhrpark oder eigene Produktionsanlagen betreibt, fallen hier regelmäßig direkte CO₂-Emissionen an.
  • Scope 2 (indirekte energiebedingte Emissionen): Emissionen, die durch den Energiebezug des Unternehmens entstehen. Treiber sind hier vor allem Wärme und Strom welche/r  außerhalb des Betriebs erzeugt, aber im Unternehmen genutzt wird (z. B. eingekaufte Elektrizität, Fernwärme oder Dampf). Auch wenn das Unternehmen kein eigenes Kraftwerk betreibt, führt die (externe) Erzeugung der vom Unternehmen eingekauften und verbrauchten Energie zu Emissionen, die sich das Unternehmen zurechnen lassen muss. Diese Emissionen zählen zu Scope 2.
  • Scope 3 (übrige indirekte Emissionen): Alle weiteren indirekten Emissionen entlang der Wertschöpfungskette, die bei Zulieferern, Kundinnen und Kunden oder durch vor- und nachgelagerte Aktivitäten entstehen. Typische Beispiele hierfür sind Emissionen, die bei der Produktion der vom Unternehmen eingekauften Güter und Rohstoffe, durch Geschäftsreisen und Hotelübernachtungen, beim Pendelverkehr der Mitarbeitenden oder auch durch die Nutzung und Entsorgung der vom Unternehmen produzierten/verkauften Produkte entstehen. Weil Scope-3-Emissionen bei vielen verschiedenen Vorgängen im Unternehmensalltag eine Rolle spielen, machen Scope-3-Emissionen bei Unternehmen häufig den Großteil der CO₂-Bilanz aus.

In einer CO₂-Bilanz werden alle drei Geltungsbereiche getrennt erfasst, um die Quellen der höchsten Emissionen zu erkennen. 

Woran sollen sich Unternehmen bei der Erstellung ihrer CO₂-Bilanz orientieren?

Unternehmen sollten sich bei der Erstellung ihrer CO₂-Bilanz an etablierten Standards und den aktuellen gesetzlichen Rahmenbedingungen orientieren, damit die methodische Vorgehensweise vergleichbar ist. International wird am häufigsten das Greenhouse Gas Protocol (GHG Protocol), das Standards und Leitlinien für die Erstellung einer Treibhausgasbilanz vorgibt, verwendet. In der Praxis werden deshalb die Scopes 1 bis 3 nach Maßgabe des GHG Protocols ermittelt. Ergänzend werden oft auch Normen wie der ISO 14064 zur Ermittlung der CO₂-Werte herangezogen. Viele Unternehmen veröffentlichen ihre CO₂-Bilanz zusammen mit ihrem Jahres- oder Nachhaltigkeitsbericht. 

Wichtig bei der Erstellung der Klimabilanz: Sorgfalt und Dokumentation. Daher sollten Unternehmen im Vorfeld klare Verantwortlichkeiten und Prozesse für die Erhebung der relevanten CO₂-Werte festlegen, regelmäßig die Qualität ihrer erhobenen Daten überprüfen und transparente Berechnungsmethoden nutzen, damit die CO₂-Bilanz zuverlässig und nachvollziehbar ist.

Wie müssen Unternehmen bei der Erstellung einer CO₂-Bilanz konkret vorgehen? (Datenerfassung, Tools, Standards)

Die Erstellung einer CO₂-Bilanz folgt klaren Schritten: Zunächst legen die Unternehmen den grundsätzlichen Umfang für die CO₂-Bilanzierung fest: Welche Standorte, Tochterunternehmen und Betriebsbereiche sollen berücksichtigt (organisatorische Grenzen) und welche Emissionsquellen (Scopes) sollen von der Bilanz erfasst werden?

Im Anschluss beginnt die Datensammlung: Konkret heißt das, dass alle für die CO₂-Bilanz erforderlichen Informationen zusammenzustellen sind. Dazu gehören u.a. relevante Daten aus Strom- und Heizkostenabrechnungen, Tankquittungen, Reisekostenabrechnungen, Informationen zum Materialverbrauch, zu Abfallmengen etc. Oft können schon vorhandene Unterlagen (Jahresabrechnungen, Abrechnungen aus der Buchhaltung) als Basis für die Ermittlung der CO₂-Emissionen dienen.

Sobald die erforderlichen Informationen vorliegen, können die CO₂-Emissionen berechnet werden: Alle (Verbrauchs-)Daten (z. B. kWh Strom, Liter Diesel, Flugkilometer) werden mithilfe anerkannter Emissionsfaktoren in CO₂-Äquivalente umgerechnet. So erhält man für jede Kategorie (z. B. Strom, Benzin, Papier) eine CO₂-Menge. Diese Werte werden dann zusammengerechnet. Für die Umrechnung und Ermittlung der CO₂-Emissionen greifen Unternehmen regelmäßig auf Tools und Software zurück, insbesondere auf spezielle CO₂-Rechner. Moderne Softwarelösungen haben die wichtigen Emissionsfaktoren schon integriert und können auf Basis der eingespeisten Informationen Berechnungen und Prüfungen nach anerkannten Standards erstellen – das spart viel Zeit und reduziert mögliche Fehlerquellen.

So könnten die ersten Schritte zur CO₂-Bilanzierung im Unternehmen zusammengefasst aussehen:

  • Systemgrenzen festlegen: Klärung, welche Bereiche und Gesellschaften des Unternehmens einbezogen werden (z. B. Deutschland, EU-Standorte, Konzern).
  • Datensammlung: Erhebung aller CO₂-relevanten (Verbrauchs-)Daten (Strom-, Gas- und Wasserverbrauch, gefahrene und geflogene Kilometer, Höhe des Material- und Abfallaufkommens).
  • Bilanzierung: Umrechnung der Emissionen mittels Emissionsfaktoren in CO₂-Äquivalente.
  • Tools und Reports: Einsatz von CO₂-Rechnern oder Reporting-Software, die sich an den Vorgaben des GHG Protocols/ISO orientieren.
  • Maßnahmen ableiten: Identifikation der größten Emissionstreiber und Planung von Einsparungen oder Kompensationen.

Bei der Klimabilanz geht es jedoch nicht nur um Zahlen: Die CO₂-Bilanz soll praktische Erkenntnisse liefern. So können Unternehmen z.B. anhand der Klimabilanz erkennen, dass CO₂-intensive Prozesse oft auch Kostenfresser sind und Einsparungen bei Energie und Material neben der Verringerung der CO₂-Emissionen auch die Bilanz und den Gewinn des Unternehmens verbessern. Schritt für Schritt bekommen Verantwortliche so ein klares Bild der klimabezogenen Auswirkungen auf ihr Unternehmen und können dies gezielt nicht nur im Rahmen ihrer Nachhaltigkeitsstrategie, sondern auch bei ihrer allgemeinen Geschäftsstrategie berücksichtigen.

Fazit

Unternehmen sollten mit Blick auf das Thema „Klimabilanz“ nicht erst handeln, wenn der Druck von außen steigt – der Einstieg in die CO₂-Bilanzierung lohnt sich schon jetzt. Die Klimabilanz ist eine wichtige Grundlage für die Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens, nicht zuletzt da Treibhausgase der entscheidende Treiber für die Klimaerwärmung sind und eine Reduktion dieser Gase direkte Auswirkungen auf das Klima hat.

Mit diesen globalen Nachhaltigkeitserwägungen gehen aber auch wirtschaftliche Vorteile für das einzelne Unternehmen einher: Eine optimierte Klimastrategie spart Ressourcen und Kosten und zahlt auch auf ein „grünes“ Unternehmensimage ein. Kurz gesagt: Wer heute seine Emissionen kennt und reduziert, profitiert morgen – bei Aufträgen, Kundinnen und Kunden sowie Investoren.

Haben Sie Fragen dazu, wie Ihr Unternehmen seine CO₂-Bilanz erstellen und nutzen kann? Dann kontaktieren Sie uns gerne!

Der Beitrag wurde gemeinsam mit Dr. Kristina Bexa und Antonia Kempfer verfasst.

zurück