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Carve-out

​Erfolgskritische Faktoren beim Carve-out

Als Carve-out (deutsch: „Herausschneiden“) wird das Ausgliedern, Abspalten und Verkaufen von Unternehmensteilen („Carve-out Business“) bezeichnet. Für diversifizierte Unternehmen kann es verschiedene Gründe für einen Carve-out geben: Ein verlustreicher Unternehmensteil kann abgestoßen oder es können durch den Verkauf von profitablen Bereichen z. B. Liquiditäts-engpässe überwunden werden. Auch eine strategische Neuausrichtung und Konzentration auf Kernkompetenzen können Motivation für einen Carve-out sein.

Je nach Größe und Komplexität des Carve-out Business und der möglichen Käufer- bzw. Investorengruppe steigen die Herausforderungen – und damit auch die Anforderungen – an alle Beteiligten.

Inhaltlich lassen sich diese in drei Themenbereiche aufteilen.

1. Organisatorische Herausforderungen

Diese liegen häufig in der Entflechtung des Carve-out Business von zentral organisierten Unternehmensbereichen, wie dem externen und internen Rechnungswesen, der IT oder Rechtsabteilung. Durch die für den Verkauf notwendige Entflechtung entfällt für das Carve-out Business der Zugang zu den im Konzern bzw. Unternehmen bezogenen Leistungen. Daneben sind für das Carve-out gesonderte Controlling-, Berichts- oder Konsolidierungsstrukturen zu schaffen. Daher ist der Aufbau von Ressourcen bzw. die Beschaffung von Ersatzlösungen für das Carve-out Business zu planen. Engpässe können in dieser Phase über Service-Level-Vereinbarungen mit dem veräußernden Unternehmen überbrückt werden. Bei der Ausgestaltung und Dauer der Verträge ist zu beachten, dass derartige Verträge die Ertragskraft des Unternehmens auf Jahre hin beeinflussen können. Zudem könnten langfristige Verträge Kaufinteressenten hemmen und somit den Abschluss eines Carve-out gefährden.

Hinweis: Die Anforderungen an die organisatorische Selbstständigkeit werden wesentlich vom potenziellen Käufer beeinflusst: Ein Finanzinvestor stellt in aller Regel höhere Ansprüche an einen autark aufgestellten Geschäftsbetrieb als ein strategischer Investor, der dem Carve-out Business zentrale Leistungen bereits in der Integrationsphase zur Verfügung stellen wird.

2. Herausforderungen für das Rechnungswesen

Für eine Bewertung des Carve-out Business ist die Aufbereitung und Darstellung von historischen Finanzdaten sowie Planzahlen aus dem bestehenden Datenmaterial wichtig. Oft liegen jedoch die Finanzdaten für das Carve-out Business nicht vollständig vor. Die Ableitung von Pro-Forma-Finanzkennzahlen erfordert eine hohe Kenntnis des Unternehmens und finanzwirtschaftliche Expertise. Für Planzahlen sind nachhaltiges Wachstum und operative Effizienz im Rahmen eines eigenständigen Geschäftsbetriebs ebenso zu berücksichtigen wie möglicherweise durch die Ausgliederung induzierte steigende Beschaffungs- und Vertriebs-kosten.

3. Rechtliche Herausforderungen

Die Vermögenswerte und Schulden des Carve-out Business sind in die neue Gesellschafts-struktur zu übertragen. Die Komplexität steigt schnell um ein Vielfaches, wenn aufgrund eines multinationalen Geschäftsbetriebs lokale rechtliche Besonderheiten zu beachten sind. Veräußerndes Unternehmen und Carve-out Business müssen einen geeigneten Prozess implementieren, der es ermöglicht, Art und Umfang der zu übertragenden Werte eindeutig zu identifizieren sowie eine zuverlässige Bewertung zu gewährleisten. Eine weitere Herausforderung besteht, wenn Vermögenswerte sowohl vom Carve-out Business als auch vom veräußernden Unternehmen genutzt werden.

Empfehlung: Zu beachten ist, dass ein Carve-out zwar hohe Anforderungen stellt, aber regelmäßig neben dem Tagesgeschäft zu erledigen ist. Dabei sollte die spezifische Ausgestaltung des Carve-out in Abhängigkeit von der potenziellen Käufergruppe gesehen werden. Oft sind parallel strategische Investoren und Finanzinvestoren unter den potenziellen Käufern. Daher empfehlen wir, frühzeitig ein Team von internen und externen Experten zusammenzustellen, das den Carve-out-Prozess begleitet

 

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